wdv/M.Völler

Liebe & Leben

Süchte: Außer Kontrolle

Fünf bis sieben Prozent der Bundesbürger sind abhängig – von Zigaretten, Alkohol, Glücksspielen … Warum werden manche Menschen süchtig? Wie entsteht Sucht? Und wie kommt man aus dem Teufelskreis wieder heraus?

Gefährliche Sucht

Zu Partys gehören Drinks wie gute Gespräche und mancher braucht nach einer nervenaufreibenden Klausur eine Zigarette. Manche entspannen sich nach einem stressigen Tag bei einer kleinen Shoppingtour und wer nicht einschlafen kann, greift schnell mal zur Tablette.

Alkohol, Zigaretten, Medikamente und neue Jeans gehören also schon längst zu den Dingen, die wir nutzen, um uns in stressigen Zeiten besser zu fühlen. Wir haben uns daran gewöhnt und Drogen wie Alkohol sind gesellschaftlich akzeptiert. Problematisch wird es, wenn die Lust auf das nächste Bier oder die neue Jeans so stark ist, dass sie alle Gedanken beherrscht und man immer mehr konsumieren muss, um sich gut zu fühlen.

Zahlen und Fakten

Etwa 16 Millionen Deutsche rauchen, 3,8 Millionen von ihnen gelten als süchtig, bis zu 1,9 Millionen sind von Medikamenten abhängig, mehr als 3.000.000 Bundesbürger konsumieren illegale Drogen, darunter sind 220.000 Menschen gelten als Cannabis abhängig. 1,3 Millionen sind alkoholabhängig, wobei weitere 1,7 Millionen Deutsche soviel trinken, dass sie als stark suchtgefährdet gelten. 100.000 bis 290.000 Bundesbürger gelten als spielsüchtig und 5 Prozent der Bevölkerung gelten als kaufsüchtig. Fakt ist: Abhängigkeit ist nicht nur ein Problem bestimmter sozialer Schichten – süchtige Menschen gibt es überall in der Gesellschaft.

Körper und Geist

Im Allgemeinen unterscheidet man zwischen psychischer und körperlicher Abhängigkeit. Bei ersterer spürt man ein übermächtiges Verlangen nach einer bestimmten Substanz oder einer bestimmten Handlung. Wer auch körperlich abhängig ist, leidet schon unter Entzugserscheinungen und muss immer wieder die Dosis steigern. Kurz: Wer süchtig ist, braucht zwanghaft bestimmte Substanzen oder Handlungen. Denn, um es noch komplizierter zu machen, unterscheidet man außerdem zwischen stoffgebundenen und nicht-stoffgebundenen Abhängigkeiten. Wie der Name schon verrät, brauchen Stoffabhängige eine bestimmte Substanz. Dazu gehören Dinge wie Alkohol, Nikotin und harte Drogen. Zu den nicht-stoffgebundenen Abhängigen zählen unter anderem Arbeits- , Spiel- oder Kaufsüchtige.

Ursache und Wirkung

Warum der eine abhängig wird und andere wiederum nicht, ist schwer zu sagen. Wissenschaftler denken, dass zum einen die Gene verantwortlich sind. Sprich: War in der Familie schon einmal jemand süchtig, ist das Risiko für die Nachkommen höher, auch zu erkranken. Daneben scheint die Kindheit und Jugend eine wichtige Rolle zu spielen. Wer früher oder heute sozial ausgegrenzt ist, der hat ebenfalls ein höheres Risiko. Dasselbe gilt für Menschen, die Gewalt in der Familie erfahren haben. Nicht zuletzt kommt es auf die Drogen selbst an. Auch sie entscheiden mit, wie schnell jemand abhängig wird. Denn je schneller eine Substanz ins Hirn gelangt, desto größer ist auch das Abhängigkeitspotenzial. Zum Beispiel Heroin: Die Droge, die aus dem Saft der Schlafmohnkapseln gewonnen wird, landet Sekunden nach der Injektion in den Hirnarealen, die das Belohnungssystem in unserem Kopf aktivieren. Dort werden Endorphine ausgeschüttet, die euphorisch machen und schmerzstillend wirken. Dieser Kick kann dann in kurzer Zeit abhängig machen.

All diese Dinge zusammen können bei Menschen, die ohnehin gefährdet sind und denen es nicht gut geht, weil sie vielleicht mit Beziehungsproblemen kämpfen oder Ärger im Job haben, den Stein ins Rollen bringen. Nach und nach nimmt das Trinken zu oder man geht immer wieder in die Spielhalle, um am einarmigen Banditen zu zocken … Beherrscht dann die Sucht das Leben der Betroffenen, können sie nur noch mit professioneller Hilfe den Absprung schaffen.

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