Foto: wdv/M.Völler

Beruf & Zukunft

Die ersten 100 Tage

Erfüllt der neue Mitarbeiter die in ihn gesetzten Erwartungen? Stimmt die Chemie im Team? In der Probezeit können Arbeitgeber und Arbeitnehmer testen, ob beide Seiten wirklich zusammen passen.

Probezeit – für beide Seiten

Die ersten Monate im Job sind voller Stolpersteine, die leicht zum Karriereaus führen können. Aber keine Sorge: Wer sich an ein paar Grundregeln hält, wird kaum Schwierigkeiten haben, sich im neuen Arbeitsumfeld zurecht zu finden.

Geht nicht, gibt’s nicht!

Die Probezeit ist entweder im Arbeitsvertrag festgelegt oder durch den geltenden Tarifvertrag geregelt. Gesetzlich vorgeschrieben ist sie allerdings nicht. Wird eine Probezeit vereinbart, so dauert sie üblicherweise zwischen drei und sechs Monaten. Möchte einer der beiden Vertragspartner aus dem neuen Arbeitsverhältnis wieder aussteigen, so ist der Arbeitsvertrag meist innerhalb von zwei Wochen kündbar.

Häufig gilt die Probezeit als Phase, in der man ohne Probleme rausgeschmissen werden kann. Tatsächlich werden etwa 20 Prozent der Neulinge in dieser Zeit durch den Arbeitgeber vorzeitig entlassen. „Die Unternehmen sind oft enttäuscht, wenn sich Anfänger nicht sofort reibungslos in den Betrieb integrieren“, erklärt Diplom-Psychologe und Personalberater Jürgen Hesse. Schließlich wurden sie von zahlreichen Bewerbern als Beste ausgewählt und sollen vom ersten Tag an möglichst gute Leistungen bringen.

Wer sich bei Beschwerden unkooperativ verhält, ist seinen Job schnell wieder los: „Wichtig ist, dass ein persönliches Vertrauensverhältnis entsteht. Dafür muss die Kommunikation stimmen!“ Der Tipp vom Experten: „Wöchentlich Feedback beim Chef oder von kompetenten Kollegen holen, das zeigt außerdem Engagement und Leistungswillen.“ Bei Fragen oder Problemen darf man ruhig auf seinen Status als Anfänger hinweisen, dabei aber immer kritikfähig bleiben.

Mit Köpfchen an den Start

Wer eine neue Arbeitsstelle hat, denkt selten daran, dass er sich seinen Platz in der Firma erst noch mühsam erkämpfen muss. Zu groß ist die Freude, den heiß begehrten Job bekommen zu haben! In ihrer Euphorie verdrängen viele Neulinge, welche enorme Belastung auf sie zukommt. Doch sie stehen zunächst auf ziemlich wackeligen Beinen und werden in der täglichen Arbeitspraxis von Vorgesetzten und Mitarbeitern kritisch geprüft. Einfach alles ist neu und von überall prasseln Namen, Aufgaben und Informationen auf sie herein, so dass Frischlinge leicht den Überblick verlieren. So mancher erleidet einen regelrechten Praxisschock, der auch zu Konzentrations- und Schlafstörungen oder psychosomatischen Symptomen wie Bauch- oder Kopfschmerzen führen kann – und reicht frustriert die Kündigung ein. Andere fallen in hektische Betriebsamkeit und machen derbe Schnitzer, die im schlimmsten Fall den Job kosten.

Damit es erst gar nicht soweit kommt, sollte man sich vorher mit der neuen Lebenssituation intensiv auseinander setzen und auf den Arbeitsbeginn vorbereiten. „Es ist sinnvoll, möglichst viele Informationen über den Betrieb zu sammeln, zum Beispiel Firmenprospekte oder Geschäftsberichte studieren oder im Internet nach hilfreichen Fakten suchen“, rät Jürgen Hesse. Kinoabende und Partys vorerst streichen und stattdessen lieber früh ins Bett gehen. Die aktuellen Sorgen mit Freunden oder Angehörigen zu besprechen, hilft ebenfalls die angespannten Nerven zu beruhigen.

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