Fotos: wdv/O.Szekely

Spezial: Sport

Step by step

Du willst auf dem Dancefloor mit coolen Moves überzeugen? Mit unserem B-Boying-Crashkurs kein Problem! Johannes Kompa alias Joe von der Sorrow Crew zeigt dir, wie's geht.

Interview mit Joe (Sorrow Crew)

Wie bist du zum B-Boying gekommen?
Um 2000/2001 war Breakdance - damals nannte man es noch so - total in Mode. Einfach jeder meiner Kumpels hat gebreakt. Das war normal. Auf jeden Fall wollte ich das damals unbedingt auch lernen, nachdem ich das Video zu "Freestyler"
von den Bomfunk MCs gesehen hatte. In meiner damaligen Jugenddisco gab es eine Tanzschule. Ich ging hin, lernte meinen Trainer Ruben Grahs kennen und alles nahm seinen Lauf. Heute, zehn Jahre später, tanze ich immer noch, bin durch Ruben zur Sorrow Crew gekommen und kann mir kein anderes Leben mehr vorstellen. B-Boying ist mehr als ein Sport oder ein Tanz – das ist 'ne Lebenseinstellung.

Wie lange hat es gedauert, bis dein Tanz so professionell war wie heute?
Das kann man schwer sagen. Ich würde behaupten, ich tanze heute schon wieder ganz anders als beispielsweise vor einem Jahr. Aber generell dauert es schon ein bis drei Jahre, ehe man etwas "professioneller" wird.

Stört es dich, wenn Laien von „Breakdance“ sprechen?
Nein, ich bin da nicht so empfindlich – ein Laie weiß es ja nicht besser. Allerdings bezeichne ich mich als B-Boy und nicht als Breakdancer. In der Szene nennt es niemand Breakdance - sondern B-Boying.

Wie wichtig ist die Musik fürs B-Boying?
Extrem wichtig. Wir sind ja keine Turner, sondern Tänzer. Das verwechseln die Leute oft. Als B-Boy sollte man versuchen, das, was man hört, auf seine Bewegungen zu übertragen und die Musik zu interpretieren.

Welche Musik hörst du privat am liebsten?
Mein Musikgeschmack ist bunt gemischt. Tendenziell mehr in die Alternative/Rock-Richtung - aber eigentlich komplett Crossover. Durchs Tanzen hör ich natürlich sehr viel Hip-Hop beziehungsweise Rap, aber dann meistens eher Classics oder eben Funk, Soul, Breakbeats, etc.

Gibt es auch Mädels, die tanzen?
Es gibt schon ein paar. Eine gute Freundin von mir ist zum Beispiel ein B-Girl. Mit ihr trainiere ich ziemlich oft. Aber in den meisten Städten gibt es nur etwa ein bis zwei gute B-Girls – also im Vergleich zu den B-Boys relativ wenige.

Wie oft tanzt ihr gemeinsam?
In der Woche trainieren wir meist zwei-, dreimal gemeinsam. Wenn ein Battle ansteht, dann auch noch mal am Wochenende. Außerdem geben wir fast alle regelmäßig Unterricht in Tanzschulen oder Jugendzentren.

Welches ist der ungewöhnlichste Ort, an dem du je aufgetreten bist?
Wir haben mal nachts nach einem Auftritt auf einer jüdischen Bar Mizwa für einen reichen Russen vor circa zehn Leuten im Frankfurter Steigenberger Hotel getanzt. Die haben ihren Wodka getrunken und ich hab ein Headspin auf 'nem Serviertablett gemacht. Lange her ...

Was war euer tollster Auftritt?
Unser größter Auftritt war 2010 in der Hamburger ColorLine Arena vor ich glaub etwa 10.000 Leuten beim Top 4 der BBL. Noch größer wäre der Auftritt für David Garrett in Berlin gewesen. Aber der nette Herr hat sich, nachdem wir uns einen Monat lang vorbereitet hatten, am Tag der Generalprobe spontan für halbnackte Mädels entschieden ... Am besten sind aber meistens die Auftritte, auf die man erst gar nicht so Lust hat. Es gibt da beispielsweise so ein bis zwei Faschingsauftritte in Buxtehude. Da fährt man zwar hinter die Berge zu den sieben Zwergen, aber das sind die geilsten Auftritte.

Gibst du dein Können auch öfter mal spontan zum Besten?
Ja, ziemlich oft! Ich dreh mich jetzt nicht jedes Wochenende in Clubs auf dem Kopf oder so ein Mist - das finde ich lächerlich, aber ich tanze eigentlich so gut wie immer und überall. Auf Partys, bei der Arbeit, beim Einkaufen ... für viele Leute, die mich nicht kennen, kommt das vielleicht so rüber, als wolle ich angeben oder wäre geisteskrank, aber für mich ist das halt normal und wer mich kennt, weiß das.

Welcher Style liegt dir am meisten und warum?
Das Top Rocking. Das macht mir einfach am meisten Spaß und da kann ich am besten auf die Musik tanzen. Am liebsten wäre ich natürlich in allen vier Kategorien gleich stark – das macht einen guten B-Boy auch aus! Aber wo ich meinen Schwerpunkt legen möchte, ist das Top Rocking und Footworks. Das ist jetzt für den normalen Betrachter zwar nicht das Eindrucksvollste, aber ich versuche lieber auf die Musik einzugehen und meinen eigenen Stil reinzubringen als der beste Turner zu werden. Wenn  natürlich noch zwischendrin ein kurzer guter Powermove oder ein Freeze auf einen Break kommt - geil!

Wie schwer fällt es dir, Training und Auftritte in dein Leben reinzuorganisieren?
Ich setzte Prioritäten. Es gibt in meinem Leben eigentlich nur die Arbeit, das Breaken und meine Freunde. Das heißt, unter der Woche arbeiten, trainieren, schlafen, arbeiten, trainieren, schlafen. Gut, zwischendurch noch essen, aber für mehr ist fast keine Zeit. In den Hochphasen haben wir am Wochenende ein oder zwei Auftritte. Da blieb in der Vergangenheit leider kein Platz für eine Freundin ... In der Zeit, die übrig bleibt, versuche ich den Schlafmangel wieder aufzuholen und möglichst viel Zeit mit Menschen zu verbringen, die mir gut tun.

Welche Vorbilder hast du und was bewunderst du an ihnen?
Was das Tanzen betrifft, haben mich drei Menschen beeinflusst: Zum einen mein damaliger Trainer und Mentor Ruben Grahs, ohne den ich heute definitiv nicht das wäre, was ich bin. Dann Marc Robitzky alias "Speedy", der für mich mit 12 schon ein großes Vorbild war. Heute habe ich das Glück mit ihm trainieren zu dürfen. Und zu guter Letzt Deryl Braun, ein Kumpel, der es schafft, mich bei jedem Training wieder zu flashen, weil er einfach die personifizierte Definition von "auf die Musik tanzen" ist. Bei ihm denkt man, er wäre wirklich an die Musik angeschlossen! Aber wenn ich schon dabei bin: Natürlich ist mir meine ganze Crew Vorbild:
Björn, Rolf, Lars, Thomas, Michi, Tadek, Onur, André und Marko. 

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